Mitgliederversammlung 2006

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am 5. Februar 2006, 11 Uhr, Dokumenta-Halle
Hiermit lädt der Vorstand herzlich zu unserer Jahreshauptversammlung ein. Zu Beginn unserer Mitgliederversammlung bietet das Staatstheater eine kleine künstlerische Präsentation. Der Gastronomie-Betreiber im Staatstheater, Herr Stephan Briggl, hat sich auch dieses Jahr wieder für uns etwas Besonderes einfallen lassen: Neben dem üblichen Getränke- und Brezelangebot gibt es eine Gulaschsuppe und eine Kartoffelsuppe.

Für den 5. 2. 2006 haben wir folgende Tagesordnung aufgestellt:

  1. Bericht des Vorsitzenden über das Jahr 2005
  2. Bericht des Kassenprüfers und Diskussion über den Finanzbericht 2005
  3. Entlastung des Vorstands für das Jahr 2005
  4. Wahl eines Kassenprüfers für das Jahr 2006
  5. Bericht der Theaterleitung
  6. Förderwünsche des Staatstheaters für das Kalenderjahr 2006
  7. Bericht über die Theaterfahrt (Herr Dr. Giesler)
  8. Bericht über die Veranstaltungsreihe Resonanzboden (Frau Dr. Nobach/Herr Gerke)
  9. Bericht über die Aktion „Sesselspende“ (H.-D. Müller)
  10. Diskussion und Abstimmung über die Satzungsänderung (Herr Dr. Giesler/Herr Dr. Spalckhaver)
  11. Verschiedenes

 

Auszüge aus der Rede des Vorsitzenden H.-D. Müller

anlässlich der Mitgliederversammlung der Fördergesellschaft Staatstheater Kassel e.V. am 5. Februar 2006

 

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Nach der Begrüßung der Anwesenden, unter besonderer Erwähnung des Intendanten, Herrn Thomas Bockelmann, der Mitglieder des Theaterbeirats, Herrn Bubenik von der Volksbühne und Herrn Bandte vom Freundeskreis Marburger Schauspiel e. V., erfreuten Ensemblemitglieder mit einem ca. 20-minütigen künstlerischen Kaleidoskop die Mitglieder. Nach dem kräftigen Beifall trat der Vorsitzende in die Tagesordnung ein, wobei er vorab wegen anstehender Abstimmung um vollständige Eintragung in die Anwesenheitsliste bat und sich bei Herrn Briggl von der Theatergastronomie dafür bedankte, dass dieser zwei kräftige Eintöpfe und Getränke spendete.

 

… Unser Vorstand hat im vergangenen Jahr drei Mal getagt und dabei eine Vielzahl von Einzelpunkten behandelt. Lobend erwähnen möchte ich, dass die Theaterleitung bei jeder Vorstandssitzung ausführlich Bericht über ihre Arbeit und die aktuell anliegenden Themen erstattet hat. Ich wiederum habe Sie mit vier ausführlichen Rundschreiben über das informiert, was sich im Verlauf des Jahres 2005 in unserem Verein ereignet hat.

Ein wenig Statistik muss sein: Ende 2004 hatten wir 411 Mitglieder. Die Mitgliederzahl blieb nahezu konstant. Ende 2005 waren wir 410.

Meine fast schon stereotype Bitte an Sie: Werben Sie Mitglieder! 410 Freunde, die sich bekennen und zuverlässig spenden, sind zu wenig. Unser Flyer liegt oben aus. Bitte nehmen Sie ihn mit und nutzen Sie ihn aktiv zur Mitgliederwerbung.

Wir können auf ein interessantes Theaterjahr 2005 zurückblicken. Unsere Ausweichspielstätten Kuppeltheater und documenta-Halle haben, trotz einiger akustischer Probleme, an Anziehungskraft nichts eingebüßt, das zeigen die Besucherzahlen. Die anfänglich wohl überwiegende Neugier ist ehrlicher Anerkennung des Publikums gewichen. Das freut uns und sicher auch die Theaterleitung.

Dennoch, das darf ich aus ganz persönlicher Sicht sagen, freut man sich, dass in längstens einem Jahr die Provisorien ein Ende haben, das umfänglicher als geplant sanierte Haus wieder offen ist und das Team Bockelmann zeigen kann, wie es mit voller Technik seine Leistungsfähigkeit noch besser als bisher präsentieren kann. Ich wünsche der Theaterleitung, dass der Teil des Publikums, der in den letzten beiden Jahren vielleicht gerade durch die Provisorien neu ins Haus gelockt wurde, als Besucher erhalten bleibt, keine Schwellenangst oder falsche Vorbehalte mehr hat. Vielleicht sollte man vor dem Wechsel in die Stammhäuser kräftig dafür werben, liebe Frau Horst.

Rein quantitativ gab es im Vergleich zum Vorjahr deutlich weniger Premieren, nämlich 33 statt 41. Dies lag allerdings auch daran, dass eben die provisorischen Spielstätten im Hinblick auf Proben sowie Auf- und Abbau viel schwieriger zu bespielen sind, als ein Haus, das technisch up to date ist. Außerdem darf man nicht aus den Augen verlieren, dass viele der 2004er Premieren Kleinstproduktionen waren. Herr Bockelmann wird sicherlich nachher dazu einige Worte verlieren.

Aber Quantität ist nicht alles – es kommt vor allem auf Qualität an.

Ich hatte im Vorjahr das Vergnügen, trotz des schon damals festzustellenden Rückgangs der Anzahl der Premieren von einer deutlichen Qualitätssteigerung und von guter Publikumsresonanz berichten zu dürfen.

Beim Schauspiel und beim Tanztheater darf ich dies aus meiner persönlichen Sicht auch dieses Jahr wieder uneingeschränkt tun. Hier wird Außergewöhnliches geleistet. Herzlichen Glückwunsch.

Im Musiktheater erlebe ich ein Wechselbad und es erreichte mich voriges Jahr manch kritische und besorgte Stimme aus dem Besucherkreis. Ich hoffe, dass bald wieder ein paar sängerische und szenische Glanzlichter, wie z. B. Don Carlo eines war, gelingen und drücke dafür die Daumen.

Vielleicht berichte ich jetzt gerade über Stimmen einer Minderheit. Das würde mich freuen. Man möge es mir verzeihen. Aber auch Minderheiten soll man wachsam beobachten. Wenn die Mehrheit schweigt, sagt das noch gar nichts.

Vielleicht kann Herr Bockelmann dazu noch etwas sagen.

Lassen Sie mich aber auch sagen, dass ich darum bitte, Kritik mit Fingerspitzengefühl zu äußern. Sie muss sein und sie muss die Theatermacher erreichen, aber sie sollte berücksichtigen, dass man dem Willen der Künstler, ihr Bestes zu geben, gerecht werden muss.

Die überregionale Kritik nimmt das Haus deutlich positiv wahr. Die Regisseure, die bei uns gearbeitet haben und wieder arbeiten werden, haben 3 hohe Auszeichnungen für ihre Arbeit (Anmerkung: 2 davon für Arbeiten in Kassel) erhalten und das von uns geförderte Stück von Rebekka Kricheldorf mit deutlichem Kasseler Brüder-Grimm-Bezug wurde bei der Uraufführung überregional ganz überdurchschnittlich registriert.

Ich überlasse es Herrn Bockelmann, über diese Erfolge zu berichten. Wir jedenfalls gratulieren hier und heute nochmals dazu, schriftlich habe ich es schon getan.

Das Sommertheater, voriges Jahr in der schönen Kulisse der Löwenburg mit unserer Nachwuchspreis-Preisträgerin Therese Dörr in der Hauptrolle kam gut an. Weiter so!

Geeignete Orte gibt es in Kassel zuhauf.

Es gab in allen Genres bemerkenswerte Produktionen. Ich betone: Was ich jetzt sage, ist natürlich keine Meinung der Mitgliedschaft, sondern meine ganz individuelle Sicht.

Das Musiktheater hat 2005 doch einige besondere Leckerbissen geliefert. Ich komme gleich noch darauf zu sprechen.

Vor allem möchte ich betonen, dass es aufgefallen ist, dass unser Orchester gezeigt hat, welche enorme Leistungsvielfalt in ihm steckt. Nicht nur die wie selbstverständlich von einem A-Orchester unter GMD Paternostro erwarteten „Klassiker“ fanden statt, sondern Rasmus Baumann scheint ein Glücksfall für uns zu sein - denken Sie nur an die mit grandiosem Erfolg gespielten Filmmusiken - eine hervorragende Abwechslung!

Sicherlich hören wir von Herrn Bockelmann, wie es um die Besetzung der Stelle des GMD steht. Gestern berichtete die HNA über 7 Kandidaten, die in die engere Wahl gekommen sind. Das las sich vielversprechend.

Besonders hervorheben möchte ich die unter besonders erschwerten Bedingungen erarbeiteten beiden Produktionen des Tanztheaters. Herr Bockelmann wird uns sicherlich nachher berichten, wie es nun weitergeht, nachdem der lange erkrankte Chef des Tanztheaters, Herr Wu, im Januar überraschend im Alter von 35 Jahren verstorben ist.

Im Schauspiel beeindruckten mich Oedipus und Bungee Jumping, im Musiktheater Der Troubadour und durchaus Johanna auf dem Scheiterhaufen.

Die Produktionen im tif möchte ich Ihnen generell besonders ans Herz legen!

Zu einzelnen Darstellern gäbe es viel über hervorragende Leistungen zu sagen, aber hier verkneife ich mir schon immer individuelle Kommentare, denn Einzelne hervorzuheben hieße unbeabsichtigt andere abzuwerten. Das will ich nicht und das gehört auch nicht zu den Aufgaben unseres Vereins.

Unser Nachwuchspreis ist immerhin hier eine kleine Gelegenheit, individuell Anerkennung zu zeigen.

Wie im Vorjahr möchte ich ein Wort über Herrn Bockelmann als Regisseur und Schauspieler sagen. Dass er sich als Regisseur und als Schauspieler weiterhin mit bemerkenswerten Produktionen zeigt, ist höchst lobenswert. Er demonstriert, dass er seinen Beruf von der Pike auf bestens beherrscht und trotz seiner Arbeitslast als Intendant noch die Kraft findet, Kreativität auf den Brettern zu entwickeln.

Bei aller Freude und Anerkennung: Bitte übernehmen Sie sich nicht, lieber Herr Bockelmann, auch Ihre Kräfte sind endlich!

Dank und Gratulation zugleich, natürlich auch besonders für Ihr Auftreten in der Öffentlichkeit. Sie vertreten das Haus erstklassig. Dass man über Interna nichts mehr hört, ist wohltuend und spricht (hoffentlich) für Ihre Führungsfähigkeiten.

Im Hinblick auf Ihre künftige Arbeit darf ich traditionsgemäß an dieser Stelle ein paar grundsätzliche Worte formulieren.

Wir alle wissen, dass man nicht erwarten kann, dass ein Staatstheater durchgängig den Publikumsgeschmack der Region trifft, denn es gibt ihn gar nicht, diesen generellen nordhessischen Publikumsgeschmack. Ihr überwiegend von Steuergeldern finanziertes Haus muss jedes Jahr auf’s neue den Spagat versuchen, für jeden etwas zu bieten.

Es ist Ihnen auch in Ihrer zweiten Spielzeit gelungen, nicht am Publikum vorbei zu spielen und nicht nur sich selbst oder gar nur das Feuilleton zu bedienen.

Wir registrieren, dass Sie wieder einen relativ ausgewogenen Spielplan konzipiert haben, dessen Motto schon Garant dafür ist, dass Auseinandersetzungen mit aktuellen Problemen unserer Gesellschaft stattfinden.

Gut so, weiter so!

Wenn ab und zu eine Produktion nicht so gut ankommt, lassen Sie sich keine zusätzlichen grauen Haare wachsen, das gehört auch zum Theaterleben! Wir wissen das.

Das Theater muss nämlich unbedingt zeigen, was in unserer Gesellschaft nicht stimmt. Es darf sich nicht damit begnügen, dem Publikum nur Vergnügen zu bereiten oder den Kotau vor dem Theaterkritiker zu machen.

Der Zuschauer will gut unterhalten sein. Er will dabei durchaus Unerwartetes, Unbekanntes und Ungewisses erleben und er hasst Langeweile am Theater. Langweiliges Theater ist das größte Gift, denn langweiliges Theater wird à la long vom Publikum gemieden und verlorene Besucher sind nicht leicht zurück zu gewinnen.

Wir als Fördergesellschaft wünschen uns, dass unser Theater immer wieder unsere Selbstsicherheit in Frage stellt, uns zum Nachdenken und zum Diskutieren herausfordert. Dazu gehört Paradoxes und Experimentelles neben Konventionellem – ausgewogen eben!

Für ähnliche Worte habe ich voriges Jahr vereinzelt Kritik geerntet. Aber ich stehe dazu!

Wir Bürger hängen an unseren Bühnen. Bauen Sie uns Brücken, lieber Herr Intendant, damit wir auf den Bühnen des Experiments, der Auseinandersetzung aber auch des Ästhetischen und des Klassischen ankommen!

Wagen Sie ab und zu etwas, aber vergessen Sie nicht die Wurzeln!

Ich vertraue darauf, dass Sie weiterhin die richtige Mischung für uns finden.

Soviel zum Grundsätzlichen. Nun 3 Punkte aus dem „Tagesgeschäft“, aus unserer „Wunschliste“.

  1. Viele von uns wollen gerne kostenlos Generalproben erleben. Das geht leider nur in seltenen Fällen, weil sich die Künstler gestört fühlen.

Der Intendant hat schriftlich mitgeteilt, dass wir gerne die offiziellen „Kostproben“ besuchen können – unter Vorlage des FG-Ausweises kostenlos! Dankeschön! Aber: Bevor wir dieses Angebot annehmen und zum offiziellen Usus werden lassen können, muss es vom Finanzamt geprüft werden. Es könnte ein geldwerter Vorteil sein, der die Gemeinnützigkeit unseres Vereins in Frage stellt, denn im Gegensatz zu Generalproben sind die Kostproben offizielle, öffentliche kostenpflichtige Veranstaltungen des Theaters. Wir dürfen nichts voreilig riskieren, deshalb bitte ich bei aller Freude über dieses Angebot noch um Geduld und Zurückhaltung.

  1. Ich habe vorhin die provisorischen Spielstätten angesprochen. Man liegt, wie ich kürzlich in der Sitzung des Theaterbeirats hörte und bei einer Besichtigung am 27. Januar sah, bei der Sanierung durchaus gut im Zeitplan.

Ich hoffe und wünsche, dass es Herrn Bockelmann und seinem Team gelingt, tatsächlich im November 2006 mit den Proben im sanierten Haus zu beginnen, im Februar 2007 mit einer tollen Premiere in die Stammhäuser zurück zu kehren und sich mit dem vollen Spektrum der Bühnentechnik von einer anderen Seite zu präsentieren .

  1. Ein wenig Sorge macht mir die Vorbereitung des geplanten Theaterballs. Wir haben noch immer vor, den Einzug ins sanierte Haus mit einem glanzvollen Ball zu feiern, die Bevölkerung herein zu ziehen, auch die, die nicht die erste Premiere sieht.

Der Ball hat in der Kasseler Gesellschaft einen hohen Stellenwert, er weckt Interesse und Sympathien für das Haus, bringt mehr Besucher und durch seinen Überschuss auch Geld für’s Theater.

Das wollen wir gerne leisten. Aber das bringt unendlich viel Arbeit. Wir brauchen 1 Jahr Vorlauf und wir wollen an den Anfang – einen Sommerball machen wir nicht und eine Kollision mit irgendwelchen Ferien oder Brückentagen wäre tödlich für den Ball, kommt also nicht in Frage.

Also: Meine Bitte an die Theaterleitung, besonders an Frau Dr. Preissinger, die natürlich im Hinblick auf die Eröffnungspremiere am stärksten betroffen ist: Stimmen Sie den Termin rasch mit uns ab und ziehen Sie ihn ganz weit vor. Lange nach dem Einzug ins sanierte Haus macht er keinen Sinn mehr.

Wir haben dieses Jahr eine sehr große Tagesordnung mit Punkten, die uns noch Zeit kosten. Deshalb will ich nicht lange erzählen, was wir in 2005 alles gemacht haben.

Unsere Rundschreiben haben Sie ja erhalten und, trotz ihres Umfangs hoffentlich auch gelesen. Wenige Stichworte sollen genügen:

  • Wir freuen uns, dass wir kräftig fördern konnten. Details hören Sie, wenn ich über die Kasse berichte.

  • Wir haben unseren Nachwuchspreis erstmals am 12.7.2005 im Rahmen des Jugendprojektes „Rufen Sie Herrn Plim“ vergeben.

Die Preisträger waren nach dem Spruch der Fachjury

  • Therese Dörr vom Schauspiel,

  • Andreas Wolf, unser 2. Kapellmeister,

  • das Tanzensemble als Ganzes.

Die Preise kamen überall gut an. Bei den Preisträgern, beim Publikum bei der Theaterleitung. Wir dürfen gespannt sein, wer es 2006 wird.

  • Wir haben an nützlichen Treffen der Bundesvereinigung der Fördervereine, MUTHEA, teilgenommen.

  • Wir haben die Stadt Kassel bei dem Wettbewerb „Ab in die Mitte“ und bei der Kulturhauptstadtbewerbung unterstützt.

  • Wir haben unsere Reihe Resonanzboden mit großem Erfolg weitergeführt. Frau Dr. Nobach wird berichten. Dank an dieser Stelle an das Moderatoren-Team Frau Dr. Nobach und Herrn Gerke.

  • Wir haben wieder eine Theaterreise durchgeführt am 29./30.10.2006 nach Rudolstadt. Dank an Herrn Dr. Giesler, der wieder alles hervorragend organisiert hat. Er wird nachher berichten.

  • Wir haben im November das Großprojekt „Sesselspende“ gestartet. Dazu berichte ich gesondert. Dies ist zur Zeit das größte Projekt hessischer Fördervereine, für das es bereits ein Lob des Ministeriums gab. Darüber haben wir uns gefreut.

Bevor der Vorsitzende über die finanzielle Seite der Arbeit berichtete, dankte er der Kassenführerin, Frau Britta Pudack, und seiner Sekretärin, Frau Ursula Große.

 

… Wir starteten mit knapp € 78.000,- Geldbestand. Wir hatten Einnahmen von knapp 86.000,- €. Unsere Ausgaben betrugen rd. 57.000,- €. Also haben wir zum Jahresende einen Geldbestand von knapp 107.000,- €. Sind wir ein Sparverein geworden? Nein! Diese wundersame Geldvermehrung möchte ich Ihnen erläutern.

Von unseren Einnahmen in Höhe von rd. 86.000,- € entfallen alleine rd. 49.000,- € zweckgebunden auf Sesselspenden. Sie stehen also für die reguläre Förderung des Kunstbetriebs für 2006 nicht zur Verfügung. Diese eigentlichen Mittel belaufen sich auf rd. 37.000,- €.

Ausgaben im Sinne der Förderung hatten wir in Höhe von € 46.000,- geplant.

Wir haben aber rd. 57.000,- € ausgegeben, also auf den ersten Blick rd. 11.000,- € mehr als geplant.

Die Erklärung ist einfach.

Für Don Carlo und die Dreigroschenoper wurden € 18.000,-, die eigentlich ins Jahr 2004 gehörten, erst 2005 abgerufen. Und insgesamt 11.000,- € für Osud, Antigone, Sprecherziehung und Rosa und Blanka, die für 2005 vorgesehen waren, wurden noch nicht abgerufen und rutschen ins nächste Jahr. Mittel geben wir nur frei, wenn der Kostennachweis geführt wurde.

So ergibt es sich, dass die in 2005 geleisteten Förderungen für den Kunstbetrieb in Höhe von 35.000,- € rechnerisch exakt stimmen.

Für Konzertkarten für Jugendliche, den Nachwuchspreis und die Administration gaben wir rd. 4.200,- € aus, so dass transparent ist, wie sich unsere Ausgaben von 57.263,- € zusammensetzen.

Die Struktur der Förderungen im vergangenen Jahr sieht wie folgt aus:

Das Musiktheater erhielt 53 % inclusive der für 2004 nachgezahlten Beträge, das Schauspiel incl. Kinder- und Jugendtheater erhielt 16 %, das Tanztheater 14 %, das Gustav-Mahler-Festival erhielt 11 %, für Nachwuchspreis und Theaterkarten für Jugendliche gaben wir 6 % aus. Das erscheint auf den ersten Blick unausgewogen.

Wenn man die Nachzahlungen für 2004 weglässt, sind die Zahlen für 2005 ausgewogen.

Das Musiktheater erhielt 31 %, das Schauspiel incl. KJT erhielt 23 %, das Tanztheater erhielt 21 %, das Gustav-Mahler-Festival erhielt 16 %, auf den Nachwuchspreis und die Theaterkarten für Jugendliche entfielen 9 %.

Meine Damen und Herren, das waren die Zahlen des Vorjahres. Gibt es dazu noch Fragen?

Zum Abschluss meines Berichts über die Kassenlage darf ich einen besonderen Dank aussprechen, weil die Sparkasse Kassel uns ohne jede Kostenbelastung die Leistung unserer Kassenführerin Frau Pudack zur Verfügung stellte. Herzlichen Dank an die Sparkasse, Herrn Dr. Lukas, Herrn Wörner, dem gesamten Vorstand.

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es, über den ich schon per Rundschreiben berichtet habe.

Wir müssen an die Sparkasse ab 2006 eine jährliche Kostenpauschale von € 1.550,- für die Kassenführung bezahlen. Das war ein Vorstandsbeschluss der Kasseler Sparkasse, der auf die generellen Sparmaßnahmen der Sparkasse zurückgeht. Alle betreuten Vereine müssen eine solche Pauschale ab 2006 bezahlen.

Wir haben gekämpft, um diese Kosten zu vermeiden. Wir sind der Meinung, dass die € 1.550,- nicht wirklich die Kostensituation entspannen und dass es zum Selbstverständnis der Kasseler Sparkasse gehört, gesellschaftlich Vereine wie unseren auch dadurch zu unterstützen, dass solche Leistungen kostenlos erbracht werden, insbesondere wenn die Gewinne so hoch sind, wie nie zuvor – wie man kürzlich der HNA entnehmen konnte.

 

Unser Kampf war erfolglos. Und da wir die von der Sparkasse erbrachten Leistungen über andere Dienstleister nicht billiger bekommen können, haben wir klein beigegeben.

Wir jammern nicht. Dies u. a. auch deshalb, weil die Sparkasse neben unserer Vereinsunterstützung auch ganz kräftig die Kultur in der Region und besonders auch das Staatstheater finanziell unterstützt. Das muss einfach positiv gewürdigt werden. Wir hoffen natürlich, dass wenigstens die Jahresspende der Sparkasse angehoben wird. Am Freitag erreichte mich die Information, dass die Sesselspende der Sparkasse erfreulich ist. 30 Sessel werden gespendet (Anmerkung: Es sind nicht 30, sondern 15. Wir bitten die Fehlinformation zu entschuldigen), übrigens auch 30 von der Kasseler Bank. Herzlichen Dank, das sind die bisherigen zwei Spitzenwerte.

An dieser Stelle gilt es aber auch Dank zu sagen an Herrn Dr. Lukas.

Er ist zum Jahresende, man glaubt es kaum, wenn man ihn sieht, altershalber aus dem Vorstand der Kasseler Sparkasse ausgeschieden und damit auch aus unserem Vorstand. Er ist heute leider nicht hier. Trotzdem nehme ich die Gelegenheit wahr, ihm ganz herzlich für die langjährige Unterstützung unseres Vereins zu danken. Für sein Wohlwollen, für die kostenlose Kassenführung, für sein Amt im Vorstand als Schatzmeister und mein Stellvertreter und für die immer von ihm ausgelösten großzügigen Spenden der Sparkasse. Als kleines Zeichen unseres Dankes erhält er in den nächsten Tagen ein kleines Präsent.

(Beifall der Versammlung)

Die Sparkasse hat beschlossen, als Nachfolger von Herrn Dr. Lukas das neue Vorstandsmitglied der Kasseler Sparkasse, Herrn Ingo Buchholz, als Vorstandsmitglied unseres Vereins anzubieten.

Ich würde es sehr begrüßen, wenn Sie, liebe Mitglieder, nachher per Handzeichen Ihre Zustimmung dazu geben, dass Herr Buchholz in unseren Vorstand eintritt. Er ist schon Mitglied bei uns und ich habe ihn bisher nur sehr positiv kennen gelernt. Ich bin überzeugt, dass er für uns eine Verstärkung ist.

Leider habe ich es versäumt, diesen Punkt als extra Punkt in der Tagesordnung aufzuführen. Ich hoffe, dass Sie mir das nachsehen.

Wenn Sie nicht einverstanden sind, dann melden Sie sich bitte. Gegebenenfalls verschieben wir dann die Wahl aus formellen Gründen auf die nächste Mitgliederversammlung.

 

Nachdem die Mitglieder per Abstimmung auf die Formalien verzichtet hatten, bat der Vorsitzende Herrn Buchholz, sich kurz vorzustellen. Anschließend erfolgte die Wahl von Herrn Buchholz bei einer Enthaltung ohne Gegenstimmen einstimmig zum neuen Vorstandsmitglied. Danach erstattete der Kassenprüfer, Herr Peter Orthofer, Bereichsleiter Rechnungswesen bei der Kasseler Bank, Bericht. Er bescheinigte eine einwandfreie Kassenführung und beantragte, den Vorstand zu entlasten. Der Vorstand wurde durch die Versammlung einstimmig entlastet. Im Anschluss daran wurde Herr Peter Orthofer einstimmig zum Kassenprüfer für das Jahr 2006 gewählt. Dann folgte der Bericht der Theaterleitung, vorgetragenen von Herrn Bockelmann. Danach ging Herr Müller auf die aktuellen Förderwünsche des Staatstheaters für das Jahr 2006 ein.

 

… Meine sehr verehrten Damen und Herren, wie es dem Brauch entspricht, hat die Theaterleitung am 20.10. und 17.11.2005 schriftliche Förderanträge gestellt, die unsere Vorgaben zu Struktur und Geldvolumen berücksichtigen. Wir haben diese Anträge im Vorstand beraten und empfehlen Ihnen, sie anzunehmen.

Wenn ich von unserem Geldbestand vom Jahresende in Höhe von rd. 107.000,- € die zweckgebundenen Sesselspenden in Höhe von rd. € 49.000,- abziehe und berücksichtige, dass für 2005 vorgesehene Förderungen in Höhe von € 11.000,- noch nicht abgerufen sind, dann stehen uns rd. € 47.000,- zur Verfügung. Wir haben € 17.000,- Reserve gebildet für den Nachwuchspreis, die Verwaltungskosten inclusive der neuen Buchhaltungspauschale, eine Sesselspende unseres Vereins und für Unvorhergesehenes. Dadurch haben wir € 30.000,- zur Förderung in 2006 freigegeben.

Die Theaterleitung hat sich an diese Budget-Vorgabe von € 30.000,- gehalten.

Bevor ich nun zu den einzelnen Förderungen komme, eine wichtige Vorbemerkung.

Man sollte über die einzelnen, heute bekannt werdenden Produktionen in der Öffentlichkeit noch nicht reden. Das Theater möchte sie selbst in geeigneten Pressekonferenzen bekannt machen. Das Musiktheater soll mit 12.000,- € gefördert werden. Das Tanztheater soll mit 6.000,- € gefördert werden. Das Schauspiel incl. des Kinder- und Jugendtheaters soll mit 12.000,- € gefördert werden

Zu den während der Versammlung auf Charts zu entnehmenden vertraulichen Informationen zum Spielplan wies Herr Müller darauf hin, den Wunsch der Theaterleitung um diskrete Behandlung bitte zu respektieren, deshalb werden keine Einzelheiten genannt.

… Auf die einzelnen Sparten entfallen für das Musiktheater 40 %, das Schauspiel 40 % und das Tanztheater 20 %. Sonstiges gibt es dieses Jahr gar nicht. Insgesamt enthalten sind 7.000,- € für Kinder- und Jugendprojekte in Oper und Schauspiel.

Diese Förderwünsche wurden von der Mitgliederversammlung einstimmig beschlossen.

 

Anschließend berichtete Herr Dr. Giesler über die Theaterreise 2005, die im Oktober nach Rudolstadt führte und Frau Dr. Nobach informierte über die von ihr und Herrn Gerke organisierte Veranstaltungsreihe Resonanzboden sowie die PR-Arbeit. Nachdem Herr Müller beiden Vortragenden gedankt hatte, berichtete er über die Aktion „Sesselspende“.

… Wir haben mit der Theaterleitung zusammen Anfang Dezember das Projekt gestartet

  1. mit einer Pressekonferenz am 14.12.2005,

  2. mit unserem Rundschreiben vom 5.12.2005.

Danach haben wir an ca. 125 Unternehmen, 86 Landkreisgemeinden, Einzelpersonen, die Service-Clubs, die Magistratsmitglieder sowie den Theaterbeirat geschrieben und um Spenden gebeten.

Die Resonanz ist ermutigend. Mit Stand vom 3. Februar liegen feste Zusagen über 298 Sessel vor, davon sind 85 % auch schon als Spenden auf unserem Konto eingegangen. Darüber hinaus sind avisiert weitere 100 Sessel Es fehlen zu der Zielgröße 550 also noch rd. 150 Spenderzusagen. Diesen Rest zu füllen, scheint schwierig zu sein. Deshalb:

Sofern Sie noch nicht gespendet haben, prüfen Sie bitte Ihren Kontostand, vielleicht ist’s möglich. Und: Werben Sie in Ihrem Bekanntenkreis um Spender!

Ein wenig ernüchternd ist die Reaktion der Landkreisgemeinden. Die Geldnot scheint so groß zu sein, dass von den 86 angeschriebenen Gemeinden bisher erst 9 geantwortet haben. Das ist nicht nur schade, sondern im Hinblick auf Interesse und Stil auch enttäuschend. Ich werde energisch nachfassen. Erfreuliche Zusagen gab es von 3 Gemeinden, bei 1 Gemeinde muss die Stadtverordnetenversammlung noch über die Spende entscheiden. Schade.

Also, es gibt noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Auf Anregung aus der Versammlung versprach der Vorsitzende, weiterhin zu versuchen, mit dem Landkreis und den Gemeinden weiter zu kommen.

 

Danach bedankte sich der Vorsitzende bei Herrn Dr. Giesler und Herrn Dr. Spalckhaver für ihre Arbeit bei der Überarbeitung der Satzung und bat Herrn Dr. Spalckhaver zu berichten, was es mit der neuen Satzung auf sich hat.

 

Aus der Mitgliederversammlung kamen mehrere sehr interessante Anregungen, die weitgehend noch eingearbeitet werden.

Die neue Satzung wurde von der Mitgliederversammlung einstimmig beschlossen.

 

Zum Tagesordnungspunkt Verschiedenes meldete sich das Mitglied Manfred Zalfen mit der Anregung, junge Mitglieder durch niedrigere Beiträge/Spenden zu werben und der Bitte, für das Ballettfestival zu werben, dessen Eröffnungsvorstellung der Tanzabend I wird. Er wünscht sich insbesondere auch werbliche Unterstützung durch das Staatstheater selbst.

 

Nach dem Dank an den gesamten Vorstand schloss Herr Müller die Mitgliederversammlung kurz nach 13.15 Uhr.