50. Resonanzboden am 3. Juli 2006
Sonntag, den 10. Oktober 2010 um 09:33 Uhr
Der Vorsitzende freute sich, mehr als 150 Gäste in der documenta-Halle begrüßen zu können. Besonders begrüßte er den Intendanten, Herrn Thomas Bockelmann, sowie Herrn Riebensahm vom Förderverein Deutsches Theater Göttingen.
Er verwies auf den außergewöhnlichen Erfolg der seit fünf Jahren laufenden Veranstaltungsreihe Resonanzboden, bei der die Fördergesellschaft dem Publikum nicht nur viele Künstler persönlich näher brachte, sondern bei der es auch gelungen ist, sämtliche Abteilungen des Hauses vorzustellen und herauszuarbeiten, welch enorme Berufsvielfalt am Staatstheater vorliegt und in welchen Bereichen Ausbildungsplätze angeboten werden. Das Jubiläum war Anlass für die Fördergesellschaft, vom Normalprogramm der Resonanzboden-Reihe abzuweichen. Nicht nur die Tatsache, dass es Sekt und Häppchen kostenlos für alle Besucher gab (herzlichen Dank an Herrn Briggl, der den Sekt gespendet hat!), sondern dass mit der Verleihung des Nachwuchspreises, der Ehrung der in Ruhestand gehenden „Publikumslieblinge“ Herwig Lucas und Dieter Hönig und dem Gespräch mit dem Intendanten über die ablaufende und die bevorstehende Spielzeit, bot den Besuchern inhaltlich ein reichhaltiges Programm.
An den Anfang stellte der Vorsitzende jedoch den Dank an diejenigen, die in den letzten fünf Jahren zum Gelingen der Veranstaltungsreihe Resonanzboden beigetragen haben, an vorderster Stelle den Moderatoren Frau Dr. Christiana Nobach und Herrn Wilfried Gerke, aber auch allen Mitwirkenden des Staatstheaters. Dabei betonte Müller, dass nicht nur die interviewten Künstler und Leitfiguren des Hauses einen Dank verdient haben, sondern auch die still im Hintergrund wirkenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Haustechnik und der Tontechnik des Staatstheaters. Die Besucher quittierten dies mit einem kräftigen Beifall.
Die Gelegenheit des Dankes bei Frau Dr. Nobach und Herrn Gerke nutzte die Theaterleitung, um auch aus Ihrer Sicht den Dank für den Einsatz auszusprechen und überreichte an beide einen Blumenstrauß.
Danach leitete Müller auf den Nachwuchspreis über und betonte, dass dieser heute zum zweiten Mal vergeben wird. Er erinnerte daran, dass im Vorjahr den Nachwuchspreis die Schauspielerin Therese Dörr bekommen hat, ein zweiter Nachwuchspreis, wie in den Statuten vorgesehen, jedoch im Vorjahr nicht vergeben wurde. Im Vorjahr gab es dafür zwei Sonderpreise, nämlich für Herrn Andreas Wolf für seine gelungene Jugendarbeit im Orchesterbereich sowie für das Tanzensemble des Staatstheaters, das unter schwierigsten Verhältnissen eine hervorragende Leistung geboten hat.
Er betonte, dass die Jury dieses Jahr entschieden hat, keine Sonderpreise zu vergeben, sondern zwei echte Nachwuchspreise, wie dies die Ausschreibung auch vorsieht.
Horst Busch, persönlicher Referent des Intendant und Chefdramaturg sowie Vorsitzender der Fachjury des Nachwuchspreises vergab dann die beiden Nachwuchspreise für die Spielzeit 2005/2006.
Einen Nachwuchspreis erhielt der Schauspieler Sebastian Hülk vor allem wegen seines ausgesprochen vielseitigen Talents. Sebastian Hülk hat in der ablaufenden Spielzeit am Schauspiel sowohl in der documenta-Halle als auch im tif in einer Vielzahl von Rollen seine Vielseitigkeit unter Beweis gestellt und darüber hinaus auch bei der jedes Mal ausverkauften Reihe der Konzerte „Film ab“ sein Talent demonstriert. Das Publikum belohnte Herrn Hülk mit einem kräftigen Beifall. Herr Hülk wiederum bedankte sich mit einer kleinen künstlerischen Einlage.
Den zweiten Nachwuchspreis erhielt für die Spielzeit 2005/2006 das Tanzensemble. Nachdem der Tanztheaterchef, Herr Kuo-Chu Wu, verstorben war, wurde mit externen Regisseuren in hervorragenden Produktionen gezeigt, mit welch hoher Motivation dieses Ensemble sein außergewöhnliches Talent auf der Bühne umsetzt. Auch das Tanzensemble wurde vom Publikum mit einem kräftigen Beifall bedacht.
Nach der Vergabe des Nachwuchspreises übergab der Vorsitzende das Wort an Frau Dr. Nobach, die eine ausführliche Laudatio auf den in Ruhestand gehenden Sänger Dieter Hönig hielt. Dieter Hönig hat seit 1971 am Staatstheater Kassel mit rd. 180 Bass-Partien, ebenso wie Herwig Lucas mit weit über 200 Schauspielrollen den Status eines „Publikumslieblings“ zu Recht erworben. Frau Dr. Nobach verwies auf die Vielzahl von Dirigenten, unter denen Dieter Hönig sein Talent zeigte und betonte, dass er große Herausforderungen wie Wozzeck oder den Großinquisitor in Don Carlo mit Bravour auf die Bühne gebracht hat. Daneben hat er in vielen großen Wagner- und Mozartpartien gesungen und auch sein komödiantisches Talent bei der Oper „Die Liebe zu den drei Orangen“ unter Beweis gestellt. Dass Hönig unter acht Intendanten und sechs GMD’s arbeitete, zeigt nicht nur sein großes Talent, das von allen anerkannt wurde, sondern auch seine außergewöhnliche Anpassungsfähigkeit. Die Arbeit mit großen Dirigenten wie Gerd Albrecht, James Lockhart, Woldemar Nelsson, Adam Fischer, Georg Schmöhe und Roberto Paternostro zeigt, welch hohe qualitative Ansprüche von Dieter Hönig befriedigt wurden.
Dieter Hönig erhielt von der Fördergesellschaft, aber auch von Hansgeorg Kling, der als Vorsitzender des Richard Wagner Verbands Kassel noch eine kleine Anschlusslaudatio hielt, jeweils ein Weinpräsent. Er bedankte sich für die Ehrung und betonte, dass für ihn die Arbeit am Staatstheater Kassel stets eine große Herausforderung und Befriedigung war und dass es noch nicht ganz mit seiner künstlerischen Arbeit zu Ende ist. Dies ergänzte der Intendant, Herr Thomas Bockelmann, durch die Bemerkung, dass Herr Hönig auf alle Fälle zumindest noch in der nächsten Spielzeit als Gast am Staatstheater weiter singt.
Danach ehrte der Vorsitzende den durch einen Auftritt in Bad Hersfeld verhinderten Schauspieler Herwig Lucas. Müller betonte, dass auch Lucas in 34 Jahren seit 1972 den konsequenten Weg zum Publikumsliebling gegangen ist. Er hat in seinen weit mehr als 200 Schauspielrollen gezeigt, dass er ein besonders vielseitiger und professionell arbeitender Schauspieler ist. Er beherrscht das klassische Fach genauso gut, wie die neuen Stücke, er arbeitete mit konventionellen Regisseuren genauso gut zusammen wie mit den „jungen Wilden“ und auch er hat insgesamt sieben Intendanten in Ihrer Arbeit kennen gelernt. Als besonderes Highlight erwähnte Müller die außerhalb des normalen Spielplans des Staatstheaters stattfindenden Lesungen von Lucas. Die nächste Tucholsky-Lesung unter dem Titel „Lerne Lachen ohne zu Weinen“ ist am Samstag, den 8.7.2006, um 23.00 Uhr, im tif. Müller betonte, dass Herwig Lucas und Dieter Hönig zwei Integrationsfiguren sind und waren, die gegenüber der Fördergesellschaft stets aufgeschlossen und kooperativ waren. Wenn man sie brauchte, waren sie zur Stelle.
Müller kündigte an, dass am 8.7.2006 zur Tucholsky-Lesung eine kleine Abordnung der Fördergesellschaft ins tif kommt, um Herrn Lucas nochmals zu ehren.
Nach dieser Ehrung sprachen die beiden Moderatoren, Frau Dr. Christiana Nobach und Herr Wilfried Gerke, mit dem Intendanten über die ablaufende Spielzeit und die bevorstehende Spielzeit. Man arbeitete heraus, dass das Schauspiel einen qualitativ hervorragenden Eindruck hinterlässt und sich beim Publikum allergrößter Beliebtheit erfreut. Man arbeitete aber auch heraus, dass beim Musiktheater da und dort einige Defizite nicht zu übersehen sind. Der Intendant erklärte dies mit den teilweise sehr schwierigen Verhältnissen auf den improvisierten Bühnen in der documenta-Halle und im Kuppeltheater und mit dem engen finanziellen Rahmen des Staatstheaters. Im Hinblick auf die bevorstehende Spielzeit verwies der Intendant auf die großen Schwierigkeiten, die der „fliegende Wechsel“ während der Spielzeit verursacht. Man kann keine Stücke oder nur in sehr modifizierter Form vom Kuppeltheater bzw. von der documenta-Halle auf die regulären Bühnen übertragen. Insofern wird es noch eine gewisse Anpassungszeit brauchen. Er verwies aber darauf, dass man bei der Sanierung im Zeitplan sei, wobei niemals auszuschließen ist, dass es nicht doch noch zu Schwierigkeiten und Terminverzögerungen kommen kann. Er sicherte aber zu, dass die Aufführung Tristan und Isolde am 3. Februar 2007 auf alle Fälle stattfindet, selbst wenn es bauliche Probleme gäbe. Dann würde man eben konzertant auftreten.
Insgesamt bedankte sich der Intendant nicht nur bei der Fördergesellschaft für die finanzielle Unterstützung, sondern auch für die Unterstützung im Rahmen der Sanierungsmaßnahme. Dies Sesselaktion wertete der Intendant als großen Erfolg der Fördergesellschaft und bedankte sich dafür. Außerdem bedankte er sich beim Publikum, das mit steigenden Abonnenten-Zahlen trotz der Spielstätten-Provisorien seine Verbundenheit zum Staatstheater Kassel bewiesen hat. Er brachte seine Überzeugung zum Ausdruck, dass in den neuen Spielstätten noch mehr Besucher für das Staatstheater gewonnen werden können und müssen, um weitere finanzielle Einschnitte in der Zukunft schon im Vorfeld zu vermeiden. Er appellierte an das Publikum, durch Mund-zu-Mund-Propaganda zu helfen, die Zuschauerzahl zu erhöhen.
